Abgebrühte Abzocke

Heute mal was gänzlich ohne Fotografie-Hintergrund, denn es kam mal wieder ein Brief von „Gewerbe-Meldung.de“. Oh, ich liebe diese Abzocke-Briefe mit ihrem extrem dubiosen Inhalt.

Juchu! Ein Abzocke Werbeschreiben.

Juchu! Ein Abzocke Werbeschreiben.

Als Privatperson ist das ja kein Problem, denn unerlaubte Werbung lässt sich ja mittlerweile recht leicht abstellen. Haha! Denkste!

Unerwünschte Werbung

Leider musste ich nämlich letztens feststellen, dass sogar die Deutsche Post, über ihre Tochter „Deutsche Post Direkt GmbH“, Adressen an Unternehmen, zwecks Werbeverteilung nutzt und vermietet/verkauft. Richtig nervig. Festgestellt habe ich das, als ich mal wieder bei einem mir unbekannten, werbenden Unternehmen nachgefragt habe, wie sie denn an meine Adresse kommen und warum sie der Meinung sind, dass ich Ihre Werbung im Briefkasten haben möchte. Die freundliche Stimme am anderen Ende meinte, dass sie meine Adresse gar nicht hätten, sondern alles über die Deutsche Post liefe. Interessant. Ich kann mich wahrlich nicht daran erinnern der Deutschen Post je mitgeteilt zu haben, dass sie meine Adresse für Werbezwecke nutzen dürfen. Der Rechtsanwalt der „Deutsche Post Direkt GmbH“ belehrte mich dann vermeintlich eines besseren. Die Adresse hatte die Deutsche Post über ihr Produkt „Nachsendeauftrag“ einfach gesammelt und in Ihre Datenbank übernommen. Warum die Deutsch Post das dürfe teilte mir der RA dann mit folgenden Worten mit

Vorraussetzung hierfür ist, dass der Auftraggeber des Nachsendeauftrages seine Einwilligung zur Weitergabe der „Neuadresse“ erteilt hat, was – wie vorliegend – dann der Fall ist, wenn die Einwilligung auf dem Nachsendeauftragsformular nicht gestrichen wurde.

Interessant, nicht war? Ich frage mich wofür der Nachsendeauftrag denn sonst gut ist, außer dass man nicht selbst allen unwichtigeren Unternehmen, von welchen man weiterhin Post erhalten möchte, die neue Adresse mitteilt. Und dafür zahle ich auch noch Geld!

Schaut Euch ruhig mal den Link an und seht was die Deutsche Post alles über Euch sammelt. https://www.deutschepost.de/de/p/teiladressiert/postwurfspezial-konditionen.html

Sehr interessant sind hier die Punkte

  • Details zur Zielgruppenselektion Postwurfspezial
  • Zielgruppenselektion Postwurfspezial auf Gebäudeebene

Klappt die Punkte ruhig mal auf und lest es.

Hier findet ihr dann die Auswahl für die Kunden des Adressmarketings und wie fein die Daten über Euch gesammelt und verwertet werden.

https://vermietung.postdirekt.de/pwsp/PostwurfspezialServlet#

Klickt ruhig mal durch die einzelnen Punkte links und lasst Euch die Infos zu den einzelnen Punkten anzeigen.

Also mir wird regelrecht schlecht beim lesen und das sind nur die Daten, die die Deutsche Post von uns sammelt.

Wenn ihr möchtet, könnt ihr bei Herrn RA Markus Giese eine Auskunft über die von der „Deutsche Post Direkt GmbH“ über Euch gespeicherten personenbezogenen Daten verlangen (§34 BDSG) und auch gleich die Löschung nach §35 BDSG verlangen. Besser ist es noch dem RA mitzuteilen, dass ihr generell einer Nutzung der Daten zu Werbezwecken widersprecht. Dadurch werdet ihr intern auf eine Sperrliste gesetzt. Es gibt sogar eine kostenfreie Hotline für diesen Zweck, deren Nummer ich leider verlegt habe. [EDIT 04.07.2016: Die Nummer lautet: 0800-9369373]

In dem Zusammenhang auch Interessant die Informationsseite der Verbraucherzentrale: https://www.verbraucherzentrale.de/Briefkastenwerbung

Zurück zur Abzocke

OK, jetzt bin ich ganz schön abgeschweift. Zurück zu der Abzocke-Werbung. Als Unternehmer kann ich mich leider nicht dagegen wehren, denn es darf angenommen werden, dass ich an solchen Inhalten interessiert bin. Bei normaler Werbung ist das zwar nervig, aber nicht weiter schlimm. Das worum es hier jedoch geht, ist nach meiner Meinung echte Abzocke, denn es wird bewusst ein behördliches Aussehen der Schriftstücke erzeugt, um den Anschein zu erwecken, dass es verpflichtend sei.

Abzocke-006 Abzocke-004

Es wird direkt aufgefordert, das beiliegende Blatt auszufüllen und wieder zurückzuschicken. Aber Vorsicht, denn auf dem beiliegenden Formular steht der eigentliche Zweck des Formulars, nämlich die Eintragung in ein kostenpflichtiges nicht behördliches Register. Die völlig überzogenen, dann entstehenden Kosten werden auch nur einmalig im Kleingedruckten mitgeteilt. Übrigens nicht für 1 Jahr sondern gleich ein Abo für drei Jahre. Im günstigeren Register von „Gewerbe-Meldung.de“ einer europe reg services aus Leipzig, für schlappe 1044 EUR und bei „USTID-Nr.de“ von Zentrales Gewerberegister zur Erfassung inkl. USt-IdNr DR Verwaltung AG aus Bonn für unfassbare 1196,64 EUR. Übrigens beides zzgl. Umsatzsteuer von 19% also nochmal 198,36 bzw. 227,36 EUR.

Abzocke-005 Abzocke-009

Erst wer genau liest, was er da ausfüllen soll, wird also der Abzocke gewahr. Interessant ist auch die Telefonnummer, welche ich eigentlich nur einmal auf Visitenkarten habe drucken lassen, welche ich aber nie wirklich verteilt habe. Alle anderen Visitenkarten und auch meine Web-Auftritte enthalten gänzlich andere Nummern.

Der größte Knaller kommt aber noch, denn wer so frech ist nicht auf die Abzocke rein zu fallen, der bekommt folgendes Schreiben:

Abzocke-008Abzocke-002

Mit der eindringlichen Erinnerung, dass das vorherige Schreiben doch bereits vor einiger Zeit zugesandt worden ist. Natürlich gefolgt von der Aufforderung, das erneut beigelegte Blatt, ausgefüllt zurück zu schicken.

§14 BGB (Unternehmer)

Ach übrigens, bei dem im Schreiben genannten §14 BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) handelt es sich um die Definition des Begriffes Unternehmer 😉

Abzocke-010

Kommentare ausdrücklich erwünscht 😉

Falls Euch der Artikel gefallen hat, ihr Anmerkungen oder Ergänzungen zum Thema habt, hinterlasst mir doch gerne einen Kommentar! Ich würde mich sehr darüber freuen!

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