Da nun die Hochzeit meines Bruders und meiner „Schwägerin“ rum ist finde ich mal wieder die Zeit um über den zweiten Teil des Kalender Projektes zu berichten. Wie im ersten Teil angekündigt möchte ich hier etwas über die Bildauswahl, Bild-Bearbeitung, das Layouten und den Finalen Druck erzählen.

Die Bildauswahl
Bei der Bildauswahl ist es wichtig aus der Fülle der Fotos das eine beste herauszusuchen, welches dann auch im Kalender zu sehen sein soll. Bei ca. 200 Bildern pro Shooting kein leichtes Unterfangen. Hier kann es hilfreich sein ein gutes Programm zu haben welches einen dabei unterstützt. Ich selbst habe dafür Lightroom 5 genutzt, da hier sehr schnell und einfach Bilder gewertet und markiert werden können. Im Bibliotheksmodul braucht man lediglich eine Zahl von 1-5 für eine Sterne Wertung oder 6-9 für eine Farbmarkierung oder x -> „Ablehnen“ bzw. p -> „zur Auswahl markieren“, auf der Tatstatur drücken. Nach ein paar Bildern geht das sehr schnell von der Hand. Ich mache in der Regel mehrere Durchläufe durch alle Bilder, da es einerseits gefühlt schneller geht und man andereseits einen Überblick über die aufgenommenen Fotos bekommt.
Im ersten Durchlauf sortiere ich dann sofort Qualitativ schlechte Bilder aus (am besten gleich löschen! Man braucht sie eh nie wieder.) und mache eine erste grobe Einteilung. Hier gebe ich in der Regel allen „netten Fotos“ zwei bis 3 Sterne und allen Fotos die auf den ersten Blick top Aussehen und das gewünschte Motiv zeigen 4 Sterne. In dieser Runde kann man auch gleich Farbmarkierungen setzten für Bilder die zwar nicht ganz so toll sind, aber vom Motiv her evtl. Eurem Model gefallen. Anschließend können die Bilder die keine Markierung erhalten haben im Prinzip auch gleich gelöscht oder zumindest ausgeblendet werden.
Im zweiten Durchlauf geht es dann ans eingemachte. Ich habe pro Shooting ein bis drei Bilder ausgewählt, die ich dann meinem Team zur finalen Entscheidung vorgelegt habe. Dazu habe ich mir in Lightroom den Filter auf 4 Sterne gesetzt um nur noch die vorher ausgewählten Top-Bilder zu sehen. Aus dieser Auswahl musste dann das eine Bild ausgewählt werden. Bei manchen Shootings war es recht einfach, da nur wenige Bilder die 4 Sterne bekamen aber bei anderen gab es so viele tolle und unterschiedliche Bilder, dass die Auswahl doch sehr schwer fiel. Hier habe ich zunächst geschaut, ob das Bild wirklich den 4 Sternen entspricht. Also keine Strähne irgendwo blöd im Gesicht hängt, zu viel Schatten an der falschen Stelle, die Lichtstimmung passt oder oder oder. Als zweites Kriterium hab ich überprüft, ob das ursprünglich gewünschten Motiv auch so umgesetzt ist wie geplant. Wobei ich hier auch Bilder stehen gelassen habe die mich einfach überzeugt haben, obwohl sie in der Planung so nicht aufgetaucht sind. Meistens bleiben dann auch nur noch 1 bis 2 Bilder übrig.
Man kann an dieser Stelle auch die ungemein hilfreiche vergleichen Funktion von Lightroom (Taste c) nutzten um die  Bilder besser zu vergleichen. Dazu nimmt Lightroom das ausgewählte Bild als potentiellen Kandidaten und zeigt je ein weiteres Bild in der Vergleichsansicht direkt daneben und in der gleichen Zoom-Stufe an. Dadurch können alle Kandidaten direkt miteinander verglichen werden und die Auswahl fällt leichter, da man nicht immer hin und her wechseln muss.

Die Bildbearbeitung
Ein Satz den man sich bei der Bildnachbearbeitung auf jeden Fall und von Anfang an merken sollte lautet: „So wenig wie möglich, aber soviel wie nötig.“
Das ganze Bildbearbeitung zu nennen ist bei den meisten Bildern für den Kalender etwas übertrieben, da überwiegend eine einfache Bildretusche/Bildentwicklung genügt hat. Als Software habe ich zunächst Lightroom verwendet und anschließend mit Photoshop noch etwas nachgeschärft. Meiner Meinung nach ist Photoshop da wesentlich besser drin als Lightroom. Aber von Anfang an.
Der erste Schritt ist die RAW-Entwicklung. Hier betreibe ich zunächst Fein-Tuning mit der Belichtung, der Farbtemperatur und der Dynamik im Bild. Grundsätzliche Einstellungen sollte man bereits beim Import der Bilder durch ein selbst erstelltes Profil anwenden. Je nach Bild spiele ich, um den Kontrast zu erhöhen, auch noch am Schwarzwert und am Weißwert leicht rum und benutze in Maßen den Klarheits-Regler (gerade bei Frauen-Portraits sollte man den eigentlich nicht anfassen oder etwas weicher einstellen, da es sich aber um Action-Bilder handelt kann der schon etwas höher eingestellt werden. Am Ende ist es eh eine Subjektive Entscheidung ob es gefällt oder nicht. Für mich muss es einfach mit dem gesamten Bild harmonieren und mit der Bildaussage zusammenpassen.) Nächster Schritt ist dann, gerade bei Portraits, die Hautretusche. Hier beseitige ich kleine Makel wie Pickel oder Hautrötungen oder eine übersehene Haarsträne zunächst mit dem Bereichsreparaturpinsel. Der war bei den Outdoorshootings in der Dämmerung auch sehr hilfreich beim Entfernen der Unmengen an Mücken die überall auf den Bildern zu sehen waren. Nach dem diese Kleinigkeiten beseitigt waren habe ich die Hauttöne noch angeglichen, da die Mädels teilweise doch ganz schön starke Unterschiede in den Bräunungsgraden ihrer Haut hatten (Arme dunkel, Beine weiß). Bei den Aufnahmen in denen die Gesichter auch relativ groß waren habe ich dann noch vorsichtig mit dem Korrekturpinsel ->Effekt: Haut weichzeichnen die Gesichter noch etwas abgemildert. Mit diesem Pinsel muss man allerdings sehr vorsichtig umgehen, da man ansonsten sehr schnell ein glattgebügeltes Plastikpuppengesicht, wie man es auf TV-Zeitschriften findet, auf dem Bild bekommt. Ich nehme deshalb nur Klarheitswerte > -50, was schon recht viel ist. Das muss man aber individuell für jedes Gesicht entscheiden, Je nachdem ob es viele Markante Stellen hat, die einfach nicht fehlen dürfen oder halt nicht. Anschließend habe ich die Augen bzw. die Iris noch etwas zum Strahlen gebracht. Wieder Korrekturpinsel -> Dynamik/Sättigung leicht erhöhen, Helligkeit erhöhen (sehr dezent) und die Klarheit kann auch etwas nach oben geschraubt werden. Letzter Schritt im Gesicht ist dann, ebenfalls mit dem Korrekturpinsel, die Wimpern und Augenbrauen noch etwas zu betonen. Dazu erhöhe ich die Klarheit etwas und drehe etwas am Kontrast. All diese Retuschearbeiten sollten immer mit Bedacht angewandt werden um die Gesichter nicht zu verfremden, sondern lediglich bestimmte Partien zu unterstützen. Wir Menschen haben nämlich ein sehr feines Merkmalsgedächtnis für Gesichter und das stellt sehr schnell auch kleine Fehler in bekannten Gesichtern fest, was sich dann in einem komischen Gefühl äußert, dass hier was nicht stimmt.
Bei den Sportaufnahmen habe ich dann mit dem Korrekturpinsel die Klarheit auf  Trikot, Hose und Schuhen sowie im Gras noch etwas erhöht. Wenn nötig kann man jetzt den Himmel noch etwas herausgearbeiten.

Da das Gras auf dem Platz beim TuS nicht immer das beste war, habe ich hier und da noch etwas mit dem grün nachgeholfen. Dabei ist die selektive Farbkorrektur (HSL: hue, saturation, lightness) sehr hilfreich, da sie es ermöglicht einzelne Farbtonbereiche im Bild zu verschieben. In diesem Fall von eher gelb zu grün. Das geht natürlich nur wenn im restlichen Bild wenig bis keine Gelbtöne vorhanden sind.

Da meine Canon EOS 500D doch ein eher schlechtes Rauschverhalten an den Tag legt kann man das Luminanz-Bildrauschen unter Details noch etwas abmildern. Aber auch mit diesem Regler sollte man vorsichtig umgehen, da sehr schnell kleine Details verloren gehen. Bei meiner Kamera sollte man den Regler auf maximal 30 setzen und das auch nur im äußersten Notfall. Je niedriger der Wert, desto besser. Der Regler für die Farbrauschreduzierung hingegen kann ohne weiteres bis zum Anschlag genutzt werden.

Nach dieser Kleinarbeit kommt jetzt das große Ganze noch mal dran. Bei vielen Bildern habe ich jetzt noch das Zentrum betont indem ich eine dunkle Vignette über das Bild gelegt habe. Das hat auch später den Vorteil, das der Monat besser zu lesen ist.

Nachdem in Lightroom alle Retusche- und Bildentwicklungsarbeiten abgeschlossen sind gehe ich noch zu Photoshop und Schärfe das Gesamte Bild mit dem unscharf maskieren Tool nach hier muss je nach Kamera und Sensorauflösung ein entsprechender Wert beim Radius eingestellt werden -> je höher die Auflösung, desto höher wählt man den Radius Radius. Ich habe beim APS-C Sensor mit 12 MP einen Radius zwischen 3 und 5 Pixeln gewählt. Wenn man nur bestimmte Bereiche nachschärfen möchte nutzt man einfach eine Ebenemaske und „malt“ die geschärften Stellen ins Bild hinein.

Layouten
Der Kalender sollte 14-seitig sein und mit einer Spiralbindung gebunden sein. Als erste Seite gibt es ein Coverblatt mit der Mannschaft und die 14. Seite dient für eine Übersicht über alle Kalenderseiten und etwas Text rund um die Mannschaft und mich als Fotografen.

Software: Das Layout habe ich, aus Mangel an der Software InDesign, zunächst in Photoshop erstellt. Wer die Möglichkeit hat sollte das lieber direkt in InDesign machen, denn es nimmt einem sehr viel Arbeit ab und die Software achtet automatisch auf diverse Dinge die für die Druckvorlagenerstellung wichtig sind (Preflight). -> Maximaler Farbauftrag, Schriften eingebettet?, korrekte Farbprofile?, Beschnittzugabe, usw.

Basislayout: Da ich von Anfang an ein Bild im Kopf hatte wie die Kalenderseiten aussehen sollen fiel mir das Layout recht leicht, da es nur noch um Details wie Schriftarten und Farben ging. Die Seiten sollten insgesamt recht dunkel sein und wie ein Spot auf die jeweilige Aktion hindeuten und das Bild sollte klar im Vordergrund stehen. Die Funktionalität als Kalender dient also nur dazu das Bild auch regelmäßig jeden Monat umzublättern ;). Von der Farbgebung durfte natürlich grün als Vereinsfarbe nicht fehlen und ein Logo des Vereins sollte auch als Wasserzeichen auf jeder Seite zu sehen sein. Die Formatfrage ob hoch, quer, quadratisch oder sonst wie geartet sollte man sich übrigens vor den Shootings schon gestellt haben. Ich hatte immer einen Kalender im DIN A3 Querformat vor meinem geistigen Auge. Beim layouten muss man darauf achten die Bildinhalte nicht zu nah am Rand zu positionieren, da noch Beschnittzugabe und Lochung hinzukommen. Dann kann es schnell unschön aussehen.

Layoutentwürfe

Verschiedene Layoutentwürfe ausbelichtet auf Fotopapier

Nach verschiedenen Layoutentwürfen mit unterschiedlichen Schriftarten und Farbgebungen haben wir uns entschieden, dass das Kalendarium unten auf jeder Seite erscheinen sollte. Das Vereinslogo sollte als Wasserzeichen mit einem leichten 3D Effekt wie ein Stempel unten rechts in der Ecke halb unter dem Kalendarium und halb auf dem Bild liegen. Der Monat sollte abhängig vom Bildinhalt nochmal groß oben links oder rechts in grüner Farbe erscheinen, also nicht im Kalendarium zu finden sein. Es stand im Raum das Kalendarium als Dauerkalendarium ohne Wochentage zu erstellen oder es fest mit dem Jahr 2014 zu verknüpfen. Wir haben uns dann dafür entschieden ein Kalendarium für das Jahr 2014 zu erstellen. Jetzt reicht aber das Wort Kalendarium langsam. Dadurch das wir eine feste Wochentagszuordnung gewählt haben konnten die Wochenenden dann auch farblich hervorgehoben werden. Als Schriftart sollte man hier eine gut lesbare, klare und schnörkellose Schrift wählen. Die Daten werden dann für jede Seite einzeln angepasst – ist einiges an Handarbeit, aber dafür ist es auch einmalig. Im Nachhinein hätte ich die Schrift um einiges größer (ruhig die doppelte größe) wählen sollen, denn bei DIN A3 ist man normalerweise nicht so nah am Kalender dran und im gedruckten Zustand kann man nicht mit der Maus ranzoomen. Am besten macht man vorher einen Probedruck in voller Größe und hängt ihn sich mal an die Wand und betrachtet dann alles aus einem normalen Abstand. Um die Schriften besser vom Hintergrund abzuheben habe ich sie noch mit einem hellen Schatten bzw. die Linien mit einer Kontur versehen.

Die Schriftarten: Bei der Schriftauswahl habe ich mich lange mit meinem Team und auch mit Henri Selbmann von DTGGG beraten. Da sollte man definitiv genügend Zeit und viele Tests für einplanen. Bei einem kommerziellen Produkt muss man zudem sehr auf Lizenzfragen achten. Hier ist die Seite Fontsquirrel eine super Anlaufstelle, da sie nur freie Schriftarten, welche auch für den kommerziellen Gebrauch freigegeben sind auflistet. Dennoch sollte man bei jeder Schriftart die man nutzen möchte nochmal in die genauen Lizenzbedingungen reinschauen um nicht aus versehen einen Abmahnung zu kassieren.

Wenn man dann alles fertig gelayoutet hat wird alles als pdf mit dem richtigen Farbmanagement exportiert. Ich hab das zwar schon des öfteren selbst für Drucksachen in der Uni und für das Padfinderheim Altena gemacht, aber das war schon wieder einige Zeit her und man braucht schon ein wenig Profi-Wissen dafür. Deshalb war ich auch sehr dankbar, das Henri (DTGGG) angeboten hat sich komplett darum zu kümmern.

Der Druck (DIN A3, 14 Seiten)
Für den Druck haben wir uns entschieden die Kalender im Offset Druck Verfahren herstellen zu lassen. Dazu haben wir uns zunächst mal überlegt welche Auflage wir benötigen und dann was die unterschiedlichen Druckverfahren kosten würden. Unserer Meinung nach war eine Auflage von 100 Stk sinnvoll. Ein Fotokalender auf Echtfotopapier, wie man ihn privat bei einem Fotoservice machen würde, kostet im Format DIN A4 20 EUR und in DIN A3 sogar 30 EUR pro Stück. Macht summa summarum 3000 EUR für 100 Stk. Wenn man daran etwas verdienen möchte müsste der Kalender also für 30 bzw. 40 EUR verkauft werden. Sehr viel Geld für einen Sportkalender einer Kreisligamannschaft und ganz ehrlich, ich selber wäre nicht bereit so viel Geld für einen Kalender auszugeben.
Alternative wäre die Kalender im Digitaldruck herstellen zu lassen -schlechteres Druckbild, teurer pro Stk aber kleinere Auflage möglich- (750 EUR/100 Stk) oder im 4 Farben Offsetdruck -bei hoher Stückzahl günstig, gutes Druckbild, nur hohe Auflage möglich- (500 EUR/100 Stk) herzustellen. Alle Methoden haben ihre Vor- und Nachteile. Wir haben uns entschieden den Offsetdruck mit einer Mindestabnahmemenge von 100 Stück zu nehmen. Da er am günstigsten ist und ein sehr gutes Druckbild liefert. Wenn wir aber nur 50 Kalender hätten haben wollen wäre die Wahl auf den Digitaldruck gefallen.

Ich hoffe ich konnte einen guten Überblick über den Verlauf und alle wichtigen Eckpunkte des Projektes verschaffen.

Kommentare ausdrücklich erwünscht 😉

Falls Euch der Artikel gefallen hat, ihr Anmerkungen oder Ergänzungen zum Thema habt, hinterlasst mir doch gerne einen Kommentar! Ich würde mich sehr darüber freuen!

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