Dies ist der zweite Teil einer kleinen Artikelserie.
Im vergangenen Jahr haben Anna von Linestyle-Artwork und ich mit einigem zeitlichen Aufwand und ordentlich Materialeinsatz zwei relativ große Assassins Creed Shootings geplant und durchgeführt.
In Teil I ging es um die Organisation und die Charaktere aus dem 1. Shooting.
In diesem Teil geht es um die Erstellung der Kostüme, die benötigten Requisiten und was wir sonst noch so brauchten.

Die Erstellung der Kostüme und der Requisiten ist gemeinsam mit der Bildbearbeitung im Nachgang des Shootings einer der größten Posten. Die detailreichen Kostüme werden in tagelanger Handarbeit selbst erstellt. Hier und da werden natürlich Accessoires dazu gekauft, wie z.B. die Dekoklingen des Altaïr Kostüms. Also 4 Wurfmesser und ein längerer Dolch.

Das Kostüm von Altaïr

Karnevals-Kostüme habe ich schon vorher selbst geschneidert, aber so ein Cosplay-Outfit ist schon etwas anderes. Es soll ja später auf dem Foto auch authentisch wirken. Zuallererst galt es das Outfit des Charakters richtig zu studieren und dann zu überlegen, wie man es am besten umsetzt.

Oberbekleidung

Die Robe setzt sich aus drei Teilen zusammen. Einem Unterrock mit langen Ärmeln, einem langen Oberrock und der typischen Assassinen Kapuze. Die Robe war soweit ein Kinderspiel. Hierzu habe ich einfach ein Schnittmuster für einen Pullover als Vorlage genommen (hier könnt ihr das Schnittmuster für kleines Geld kaufen) und diesen dann nach unten verlängert. Einmal mit und einmal ohne Ärmel. An dem oberen Teil noch ein paar Zierborden angenäht und fertig.
Die Kapuze hat mich allerdings richtig Hirnschmalz gekostet. Sie ist doppelt genäht und hat die aus Assassins Creed bekannte Spitze. Beim nähen des 2-Dimensionalen Stoffes muss aber alles so miteinander verbunden werden, dass es ohne Nähte zu zeigen später eine 3-Dimensionale Struktur ergibt. Auch hier habe ich eine Kapuze von einem Kapuzenpullover als Vorlage genutzt und dann Stück für Stück so umgebaut und angepasst, dass eine eigenständige Assassinen Kapuze herauskam.

Genutzt habe ich dazu einfache Baumwollstoffe. Zuerst wollte ich ein grobes Leinen nehmen, da es authentischer ist, allerdings hatte ich mir auch einen finanziellen Rahmen von max. 120 EUR für das gesamte Kostüm gesetzt. Den hätte der Leinenstoff in der benötigten Menge für meine Größe einfach gesprengt.

Die Lederteile

Ich habe mich bei den Lederteilen für Kunstleder entschieden. Das ist sehr günstig und lässt sich einigermaßen gut verarbeiten. Allerdings würde ich aus heutiger Sicht eher zu echtem Leder oder einem leder-ähnlicherem Material wie SnapPap tendieren. Die Moosgummi Kunstleder Kombination reißt leider doch sehr leicht auseinander, wenn man es zu stark beansprucht. Was bei einem Action-Shooting definitiv der Fall ist.

Die Armschienen

Die Basis der Armschienen besteht aus EVA/Moosgummi, welches mit Kunstleder umspannt ist. Die meisten Einzelteile habe ich zunächst auf Papier vorgezeichnet und dann mit Kreide auf das Moosgummi übertragen. Die Materialien lassen sich nach dem Zuschneiden einfach miteinander vernähen. Man muss beim Vernähen nur ein wenig aufpassen, da das Ganze recht dick ist und der Faden kann das Moosgummi auch durchschneiden, wenn die Spannung zu hoch ist.

Die große Armschiene
mit den Rüstungsplatten wurde durch Anlegen und Augenmaß von mir direkt auf meinen Arm angepasst. Das geht zwar alleine, ist dann jedoch sehr frickelig. Wenn ihr also jemanden habt, der das mit Euch macht, wird es deutlich einfacher. Zunächst wird dann das Moosgummi in der richten Größe und passend für den Arm zugeschnitten. Anschließend legt ihr das Teil auf das Kunstleder und schneidet das Kunstleder so zu, dass ihr noch genug Material habt, um es um das Moosgummi herumzuschlagen und festzunähen. Macht das lieber großzügig, denn wenn nachher zuviel über ist, könnt ihr es immer noch abschneiden.
Zum Schließen der Armschienen habe ich mir Gürtelschnallen gekauft. Die gibt es in allen erdenklichen Größen. Zum Befestigen der Rüstungsplatten an den Armschienen habe ich Buchschrauben benutzt, die können aber natürlich auch anders befestigt werden. Die Rüstungsplatten bestehen im Übrigen aus Moosgummi und Worbla, dazu später mehr.
Wie gesagt, mit echtem Leder wäre das Ganze deutlich stabiler und auch mit sehr viel weniger Aufwand verbunden, da das aufwendige doppelt zuschneiden und vernähen dann natürlich wegfällt.

Die rechte Armschiene
besteht aus drei Einzelsegmenten, die ebenfalls mit Buchschrauben miteinender verbunden sind. Damit das Kunstleder an den Verbindungsstellen nicht ausreißt, habe ich diese Stellen mit Ösen verstärkt.

Der Waffenhalfter

besteht aus Kunstleder (im Nachhinein nicht zu empfehlen) und wurde genäht. Der Dolch wurde mit Buchschrauben mitsamt Scheide an dem Kunstlederhalfter  befestigt. Er ist allerdings so schwer, dass die Ösen am Halfter beim Springen einfach ausrissen. Beim zweiten Shooting hab ich das ganze daher innen noch mit Gurtband verstärkt. Die Plakette am vorderen Teil besteht, wie die Rüstungsplatten an der Armschiene, aus Moosgummi und Worbla.

Der Bauchgurt

besteht ebenfalls aus Moosgummi umspannt mit Kunstleder. Er wurde aus mehreren übereinander gelegten Teilen gefertigt. Im Inneren ist die rote Bauchbinde fest mit dem Kunstlederpart vernäht. Dies hat den Vorteil, dass beim Shooting nichts verrutscht. Eigentlich. Wie man auf der Rückseite des Kostüms oben im Bild sieht, hat das leider hinten nicht ganz hingehauen. Hier habe ich für das zweite Shooting dann nochmal etwas nachgebessert, damit das nicht wieder passiert.
Die Verzierungen am Bauchgurt sind komplett mit der Nähmaschine entstanden. Dadurch bekommt das Ganze noch eine leichte dreidimensionale Struktur.

Rüstungsteile aus Worbla

“Worbla? Häh?” werden sich jetzt einige fragen. Worbla ist ein thermoplastischer Kunststoff, welcher sich sehr gut verarbeiten lässt und daher in der Cosplayszene einige Bekanntheit erlangt hat. Das Material wird in Platten unterschiedlicher Größe geliefert und lässt sich warm verformen. Dazu reicht ein einfacher Heißluftfön oder der Backofen aus. Mit einem normalen Fön geht es nur bedingt, da das Material zwar weich wird, aber viel zu schnell wieder erstarrt.
Nach dem Erhitzen auf ca. 60-80°C, lässt sich Worbla ca. 4-5 Minuten lang verformen. Da Worbla relativ teuer ist, wird es meistens mit Moosgummi oder EVA unterfüllt, so dass nur noch die oberste Schicht aus Worbla besteht. Nach dem Abkühlen wird Worbla wieder sehr hart, so dass man nichts von der weichen Füllung merkt.

Für die Rüstungsplatten habe ich jeweils drei gleichgroße Teile mit der Schere aus der Platte herausgeschnitten. Anschließend wird ein Sandwich aus Worbla, Moosgummi und 2x Worbla gebaut. Durch Erhitzen kann alles zusammengefügt werden. Die Ornamente wurden auf der dicken Seite mit Zahnarzt-Besteck herausgearbeitet. Sollte mal etwas überstehen, so kann es einfach abgeschmirgelt werden.

Um die Oberfläche zu versiegeln und damit die Farbe besser haftet, wird das ganze anschließend mit Holzleim bestrichen. Danach wurde alles zweimal mit silberner Acrylfarbe bemalt. Für die Patina dann noch etwas schwarze Schuhcreme auftragen und mit einem Tuch wieder abwischen. Die Schuhcreme setzt sich dabei in den Furchen ab und gibt den Teilen einen realistischen Anschein.

Dekowaffen & Requisiten

Einige passende Dekowaffen haben wir in einem niederländischen kleinen Online-Shop gekauft. Die Shop-Betreiberin war einigen von uns bereits vorher durch die Role Play Convention (RPC) in Köln bekannt.

Die meisten der Waffen, wie die Musketen, Schwerter und Messer kamen allerdings aus der ein und der anderen privaten Accessoires-Sammlung.
Am besten also einfach mal rundfragen. Dabei finden sich sehr schnell interessante Requisiten und mehr zum Ausleihen und man muss nicht teuer kaufen oder langwierig selber bauen.

Apropos selber bauen.
Für das zweite Shooting wollten wir eine Art Kirchturmspitze oder ähnliches haben. Dafür habe ich aus altem Bauholz ein Holzkreuz zusammen gezimmert. Das Kreuz ist leicht auf und abzubauen (für den Transport) und kann locker eine Person tragen.
Das hat im Vorfeld erstmal ganz ordentlich Denkarbeit gefordert.
Ich meine mal ehrlich, wer baut denn schon zu Hause ein Kreuz zum drauf rum klettern?
Da ich der größte und schwerste von allen bin habe ich auch gleich den Stabilitäts-Test durchgeführt. Auch mit knapp über 100 kg Körpergewicht hat das Kreuz gut gehalten und es waren nicht mal alle Schrauben drin. Es war zwar beim draufsteigen kurz etwas wackelig, nach kurzer Gewöhnung aber schnell stabil und hat natürlich auch gut gehalten.

Assassinen auf der “Kirchturmspitze”

Auf den fertigen Bildern sieht man natürlich nichts mehr von dem unteren Teil. Meiner Meinung nach hat sich der zeitliche Aufwand und der Materialeinsatz gelohnt und war definitiv ein Mehrwert für das Shooting.

So sieht das dann übrigens im fertigen Bild aus.

 

Demnächst mehr

Für heute war es das jetzt wieder. Im nächsten Artikel wird es dann um die eigentliche Fotografie gehen. Dazu werde ich stärker auf einzelne Settings und auf das von uns genutzte Equipment eingehen. Das ganze geschmückt mit ein paar “Outtakes” und “Behind the Szenes”-Bildern. Beim zweiten Shooting haben wir übrigens mit Rauchfackeln gearbeitet. Thema wird also auch, was es bei der Arbeit damit zu beachten gilt.

Verfolgungszene beim 2. Assassins Creed Portraitshooting in Hove. Models: Anna, Thorsten | Charakter: Edward Kenway, Templer | Bild: LS Photographie - Sebastian LehmannVerfolgungszene beim 2. Assassins Creed Portraitshooting in Hove. Models: Anna, Thorsten | Charakter: Edward Kenway, Templer | Bild: LS Photographie - Sebastian Lehmann

 

Im letzten Teil wird es dann um die Bildbearbeitung und die von mir angewandten Techniken in Photoshop gehen.

Bis dahin!

Bock auf ein Cosplay-Shooting?

Wenn ihr selbst Interesse an einem solchen Shooting mit mir habt, dann meldet Euch doch sehr gerne einfach bei mir.

Kontakt

Kleine Shootings inkl. Bearbeitung einiger Bilder gibt es bei mir auch schon zu bezahlbaren Preisen. Also meldet Euch – ich freue mich drauf!

Kommentare

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